Stand: 01.07.2010
35 Jahre Washingtoner Artenschutzabkommen: Notwendig heute wie damals
Regulierung des Handels mit geschützten Tieren und Pflanzen
Eines der wirksamsten internationalen Instrumente im Kampf gegen den Artenschwund wird heute 35 Jahre alt: das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA). Seit dem 1. Juli 1975 reguliert, kontrolliert und begrenzt es den weltweiten Handel mit geschützten Pflanzen und Tieren sowie Produkten, die aus ihnen hergestellt werden. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Gegenwärtig gehören dem Washingtoner Abkommen 175 Vertragsparteien an; in der Bundesrepublik Deutschland ist es bereits seit 1976 in Kraft.
Instrument zum Schutz von gefährdeter Flora und Fauna
Wachsende Sorge über eine Ausbeutung und zunehmende Bedrohung von Tier- und Pflanzenarten durch weltweiten Handel führte am 3. März 1973 in Washington zur Unterzeichnung dieses internationalen Artenschutzabkommens, der "Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora" (CITES). Etwa 5.000 Tier- und 28.000 Pflanzenarten werden inzwischen durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt. Eine weltweit große Nachfrage etwa nach Pelzen, exotischen Lederwaren, Schildpatt oder Elfenbein, aber auch exotischen Lebensmitteln, Holzinstrumenten und medizinischen Produkten führt zu einer Gefährdung von Arten, Ökosystemen und einem Verlust von biologischer Vielfalt.
Handelsbeschränkungen je nach Schutzkategorie
Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen listet die gefährdeten Arten nach dem Grad ihrer Schutzbedürftigkeit in unterschiedlichen Kategorien auf. Je nach Kategorie gelten unterschiedlich starke Handelsbeschränkungen: vom Handel mit entsprechenden Genehmigungen bis zum weitgehenden Handelsverbot. Vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen sind in Anhang I des Abkommens gelistet; mit ihnen ist jeglicher kommerzieller internationaler Handel untersagt. Arten, die noch nicht in ihrer Existenz, aber zunehmend durch unkontrollierten Handel bedroht sind, werden in Anhang II aufgenommen.
Artenschutz: ein Dauerbrenner an Aktualität
Auch heute noch ist Artenschutz ein genauso wichtiges und aktuelles Thema wie vor 35 Jahren: Denn der weltweite illegale Handel mit lebenden Tieren und Pflanzen, aber auch Produkten, die aus ihnen hergestellt werden, bedroht nach wie vor die Artenvielfalt und zerstört ökologische Lebensräume. Weltweit geht die Zahl der Arten dramatisch zurück. Jährlich sterben weltweit rund 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Tiger, Ozelot, Meeresschildkröten, Krokodile und Elefanten sind nur die prominentesten Vertreter unter der Vielzahl von Arten, die jährlich im Wert von vielen Milliarden Euro gehandelt werden und deren Fortbestand durch illegalen Handel gefährdet ist.
Ein Beispiel für Notwendigkeit des Abkommens
Darüber hinaus müssen kommerziell stark genutzte Arten, wie zahlreiche Fische oder (Tropen-) Hölzer, besonders geschützt werden. Dies spiegelte auch die 15. Vertragsstaatenkonferenz in Doha (Katar) wider, die am 25. März nach zweiwöchigen Verhandlungen zu Ende ging. Sechs Haiarten waren auf der Konferenz wegen Gefährdung durch den internationalen Handel zur Aufnahme in Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens vorgeschlagen worden, der vom Aussterben bedrohte Blauflossenthunfisch sogar zur Aufnahme in Anhang I. Die erforderlichen qualifizierten Mehrheiten für diese Anträge wurden jedoch nicht erreicht. Auch eine deutsche Initiative zum Schutz von Dorn- und Heringshai fand keine ausreichende Zustimmung. Auf der Konferenz wurde jedoch deutlich: Selbst fischereiliche Bewirtschaftungsregimes können nicht verhindern, dass die Bestände dieser Fischarten erheblich zurückgehen und diese Arten somit gefährdet sind.
Artenschutz kann jeder leisten
Nicht nur illegaler Handel in großen Mengen gefährdet den Bestand geschützter Arten. Auch wer auf Reisen exotische Souvenirs kauft, die aus geschützten Tieren oder Pflanzen hergestellt sind, leistet, wenn auch ungewollt, einen Beitrag zum Artenschwund. Das Verschwinden jeder einzelnen Art ist ein Schritt hin zum Kippen von Ökosystemen - gefährlich nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch für den Menschen! Diese Erkenntnis war schon leitend für die Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzabkommens - und sollte es heute für jedermann bleiben.
Weitere Informationen:
CITES im Internet:
zur Sprungnavigation

Gebärdensprache
Leichte Sprache
Druckversion


